Der Körper mehr als eine lästige Hülle | 1. Korinther | Andy Owen
Einleitung
Paulus musste sich in der Gemeinde von Korinth auch mit sexualethischen Fragen auseinandersetzen. Korinth war in der damaligen Zeit eine multikulturelle, boomende, reiche Hafen- und Handelsstadt mit einem aktiven Rotlichtmilieu. Für ledige und verheiratete Männer war es völlig legal und gesellschaftlich akzeptiert, Sklavinnen oder Prostituierte aufzusuchen. Einige Korinther verteidigten das sogar mit der Gnadenlehre von Paulus, die sagt: "Alles ist erlaubt!" Interessanterweise argumentiert Paulus darauf nicht mit dem Buchstaben des Gesetzes. Er bleibt dabei "alles ist erlaubt" und ergänzt dann: "...aber nicht alles ist nützlich" und: "... ich will mich von nichts beherrschen lassen". Paulus bezieht auch Stellung gegenüber gnostischem Gedankengut. In der Gnosis ist der Geist durch Christus bereits erlöst und mit Gott verbunden und es ist völlig egal, was der physische Körper tut. Der Körper ist nur eine bedeutungslose, vergängliche Hülle. Sex ist ein rein biologisches Bedürfnis wie Essen und Verdauen. Wenn ich Hunger habe, esse ich; wenn ich sexuelles Verlangen habe, befriedige ich es. Beides betrifft nur den vergänglichen Körper, den Gott ohnehin vernichten wird. Paulus bricht radikal mit diesem gnostischen Dualismus. Für ihn ist der Körper keine wertlose Hülle, sondern zur Auferstehung bestimmt. Das führt Klaus Bockmühl zur folgenden Aussage: "Die Grundregel der christlichen Sexualethik ist eine denkbar einfache. Sie lautet: ‚»Ihr gehört nicht euch selbst. Machet Gott Ehre mit eurem Leibe!«"
Key Message
Unser Leib gehört zentral zu unserem Menschsein. Gott hat uns, d.h. Geist, Seele und Leib, erkauft. Wir gehören nicht uns selbst. Wir sollen Gott ehren mit unserem Leib, der der Tempel des Heiligen Geistes ist.
Predigttext
1 Korinther 6,9-20
Erstbesucher
Der Gnostizismus ist nicht nur eine Erscheinung der Antike. Die Vorstellung, dass das tiefste, authentische Selbst im Inneren eines Menschen verborgen liegt und völlig unabhängig von der äußeren, biologischen Realität existiert, ist auch in der modernen Psychologie und Soziologie weit verbreitet.
Anwendungen
• Der Körper ist nicht nur eine lästige Hülle, sondern Ausdruck meiner Persönlichkeit und Teil meiner Identität.
• Sexuelle Sünden betreffen nicht nur den Körper, sondern uns als ganze Person.
• Der gläubige Mensch wurde von Gott erkauft. Er gehört also Gott und kann nicht nach Belieben über seinen Leib verfügen.
• Unsere Reaktion auf sexuelle Fehlverhalten sollte nicht moralisierend sein, sondern geprägt von Freiheit: "Alles ist erlaubt - aber nicht alles ist nützlich..." und anknüpfend an das Werk Gottes in uns: "ihr seid teuer erkauft, darum verherrlicht Gott in eurem Leib und in eurem Geist, die Gott gehören."
Biblische Bezüge
• 2 Kor 5,17
• Röm 12,1+2
• 1 Petr 1,18+19
• Offb 5,9+10
• 1 Kor 7,23
• Gal 5,1
• Jak 2,12
• Röm 14,7+8
Fragen für die Kleingruppe
• Was versteht man unter Gnostizismus?
• Wo findet man ihn in der modernen Gesellschaft? (z.B. Genderdebatte, bei Beerdigung: "Der Körper ist nur eine (lästige) Hülle"
• Tauscht aus über 1 Kor 6,12. Bringt Beispiele (vielleicht selbst erlebte) dazu.
• 1 Kor 6,13+14: Ist Sex ein rein biologisches Bedürfnis wie Essen und Verdauen?
Frei nach dem Motto: "Wenn ich ein Verlangen danach habe, dann stille ich es. Beides betrifft nur den vergänglichen Körper, den Gott ohnehin vernichten wird." Was sagt Paulus dazu? (V. 14 / vgl. 1 Kor 15,35-49)